Verbrechenssrie in Otterberg

Liebe Leser, seit Jahren habe ich hier nichts mehr veröffentlicht. Doch aus aktuellem Anlass bitte ich Euch, auch zu Eurem eigenen Schutz, meinen Bericht genau zu lesen. Folgende Zeilen kommen leider ohne Übertreibung aus und schockieren dennoch aufgrund der bloßen Fakten.
Wie manche bereits wissen wohne ich mit meiner Freundin seit ziemlich genau zwei Jahren in Otterberg. Es ist eine schöne beschauliche Ortschaft mit allen benötigten Einkaufsmöglichkeiten und netten Menschen.
Vor etwa einem halben Jahr ereignete sich jedoch ein grausames Verbrechen. Ein Einwohner Otterbergs wurde mit gebrochenem Genick tot aufgefunden. Kaltblütig ermordet, ein Unfall war selbst für Laien auszuschließen. Das Schlimmste daran: Die Leiche lag direkt bei uns vor der Haustür. Man kann sich den Schock vorstellen, als wir aus der Tür traten. Natürlich stellte sich gleich die Frage nach dem Täter. Wir hatten einen Verdacht, doch keiner wollte bei solch einer Tat aussprechen, was er dachte. Nur eines war klar: die Leiche musste verschwinden, ohne großes Aufsehen. Leider sollte sich unser Verdacht schon am nächsten Tag bestätigen, als ich einen Mord von unserem Balkon aus mit ansehen musste. Was soll ich sagen, ich war schockiert. Die Leichen gingen auf das Konto einer Frau, die in der Nachbarschaft sehr beliebt war. Wenn man sich den Hintergrund betrachtet, wirkt es allerdings wiederum wenig überraschend. Im Kindesalter wurde sie von ihrer Mutter und den Geschwistern getrennt und in eine Adoptivfamilie gegeben. Den Umzug ins Nachbarland verkraftete sie nur schwer, wurde von den Adoptiveltern sehr oft allein gelassen, blieb auf sich gestellt und genoss keine Schulbildung, war ein unsozialisierter Einzelgänger mit schlechtem Umgang. Im Teenageralter wurde sie schwanger und brachte drei Kinder zur Welt. Zwei wurden direkt zur Adoption freigegeben.
Schwierige Verhältnisse also, vielleicht kann man verstehen, warum wir nicht wusste, wie wir nach den ersten beiden Morden verfahren sollten. Leider blieb es nicht dabei, die Leichen häuften sich. Da es stets Opfer aus dem sozialen Randmilieu waren, kümmerte sich die Öffentlichkeit nicht darum. Doch seit sie fast täglich neue Opfer fordert und dabei auch auf angesehene Bewohner zurückgreift, haben die Nachbarn Verdacht geschöpft. Es ist eine Frage von Tagen, bis wir unsere Mitbewohnerin nicht mehr schützen können, wobei ich ehrlich sagen muss, dass es gut so ist. Wie hätte das auch weitergehen sollen? Es belastet unser Gewissen nun seit Monaten. Wir hoffen auf eine milde Strafe aufgrund unserer Mittäterschaft. Aber vielen von Euch war es sicherlich schon lange klar, dass ich irgendwann in den Bau wandern würde...
Anbei noch ein Foto von der Täterin:
P.S.: Mich interessiert, ob hier noch jemand mitliest. Bitte gebt mir kurz Bescheid.

1 Kommentar 23.7.12 21:37, kommentieren

Werbung


Katastrophen, Krisen, Kondolenzen

„Herr N, Dein Auto brennt!“ Welch Entzücken, welch Tragik, vereint in einer Phrase. Es war der schwarze Mittwoch, welchem dieser süße Ausspruch den Gipfel aufsetzte. Ein Tag im Krisengebiet zwischen Kinderbach und Rhein. Der Tag zwischen brennenden Autos, Ausnahmezuständen und Vorfreude auf die WM. „Jaja, der Sven übertreibt mal wieder“, denkt man sich nun. Doch wehe lieber Leser, der Du Dich dieser Meinung sicher wähnst. Es fing an diesem Tage damit an, dass es des nachts zu sintflutartigen Regenfällen kam. Obgleich des inflationären Gebrauchs dieses Adjektivs verwende ich es bewusst. 42 Liter innerhalb einer halben Stunden stürzten gen Boden. Straßen führten einen halben Meter Wasser, Mauern wurden eingedrückt, Trümmer durch die Gegend geschoben. Und das alles vor meiner Haustür. Das Rückstoßventil hielt den Wassermassen nicht stand und so ergoß sich eine Melange aus Erde, Exkrementen und Wasser auf meiner Dusche in Bad und Flur. Wobei ich sagen muss, dass es sich trotz obiger wahrheitsgetreuer Schilderung dennoch in Grenzen hielt. Das Wasser stand zum Glück nur einen guten Zentimeter hoch. Kaum ausreichend für Wassersport oder einen Feuerwehreinsatz. Dafür aber durchaus genug, um Bodenbewohner wie Kellerasseln und Spinnen mit Eimern vor dem sicheren Tod bewahren zu müssen.Beim Nachbarn, dessen Küche ein Stockwert höher liegt, war mehr Spaß mit dem kühlen Nass geboten. Im Wettbewerb um Kindenheims next Top-Rückstoßventil verlor sein Kandidat deutlich und gab trotzig große Wassermassen frei. Die Küchenspüle wurde zum braunen Quell der Freude. Der Weg zur Arbeit erinnerte an Reportagen aus Kosovo, Afghanistan oder Phuket. Trümmer, Schlamm und Treibgut bildeten einen natürlichen Hindernis-Parcour, Paris-Dakar Feeling inklusive. Fehlte nur noch der Touareg samt Frau Kleinschmitt. So kämpfte sich meiner tapferer Golf durch die Landschaft, nur damit ihn ein tragisches Schicksal ereilen sollte. Während wir Lehrer mit der Begutachten der zunächst schlimm aussehenden Wasserschäden im Schulhaus beschäftigt waren, ließ man mir durch klein Emely mitteilen, dass mein Auto in Flammen stünde (siehe Einleitungssatz). Gott sei Dank war es nur die Beleuchtung, die brannte. Wäre sonst auch zu viel des Guten gewesen. Die Folgen dieses 9. Juni, welchen manchen Winzern hier nahezu 100% Ernteausfall bescherte, sind noch immer sichtbar. Schlamm und Geröll halten sich hartnäckig auf den Landstraßen.

Nun, was hat es nun mit den Kondolenzen zu tun? Die hab ich eigentlich nur aus stilistischen Mitteln gebraucht, damit ich einen schönen Titel für diesen Eintrag haben. Wer meinem verblichenen Badezimmerteppich dennoch sein Beileid aussprechen möchte, hat meine Adresse. Im Anhang ein Bild, welches die Überreste einer drei auf zwei Meter hohen Mauer zeigt. Diese stand ursprünglich 200m nördlich von diesem Punkt, gab aber nach, als der von ihr geschützte Hof mit Wasser soweit voll lief, bis das Gewicht das Gemäuer zum Einsturz brachte.

1 Kommentar 19.6.10 15:02, kommentieren

Kriegsberichterstattung

Meinem geliebten Wald trauere ich noch immer nach. Immer wenn ich aus dem Haus gehe, sehe ich kilometerweit bis zum Horizont nur Weinreben. Zwar sind die auch mit Blättern behangen und grün, aber da alles in Reih und Glied steht, wirkt es dennoch sehr künstlich. Mir fehlt die Natur hier. Mir ist nach wie vor auch schleierhaft, wie man hier jagen kann. Erzählen mir die Drillinge in der Klasse doch immer wieder von ihren Jagdausflügen mit Opa in den Weinbergen. Vielleicht sehe ich das zu eng, aber als anständige Pfälzer Wildsau wäre mir das Nahrungsangebot doch etwas mager. Elf Monate im Jahr hungern, nur um sich im Herbst dann mit kiloweise Trauben einen mehrtägigen Vollrausch anzufressen, hört sich nicht nach einem erfüllten Leben an.
Doch gerade in letzter Zeit glaube ich, die Leute hier haben den Schuss nicht gehört. Ich komme mir vor wie am Hindukusch. Es knallt und pfeift hier alle paar Minuten. Während gestandene Veteranen sich wohl augenblicklich samt Handfeuerwaffe per Hechtsprung im Straßengraben verschanzen würden und nach dem Schützen Ausschau hielten, zucken die wochenendlichen Reisebus Insassen und wähnen je nach Alter und Herkunft russische oder französische Panzerverbände über die Hügel hereinbrechen.
Doch was hat es mit diesen Heckenschützen auf sich? Der ein oder andere hat es vielleicht bereits erraten. Diese Inszenierung dient dem Schutz der Traubenernte. Wo früher noch Oma mit Strickzeug in den Wingert geschickt wurde, um die Restbestände der beiden Weltkriege zu verfeuern, stehen heute hochmoderne Selbstschussanlagen mit Bewegungssensor, die alles zu Klump schießen, was sich zwischen den Reben bewegt. Naja, fast. In regelmäßigen Abständen stehen silberne Kästen, die in gewissen Intervallen per Gasdruck prophylaktisch „schießen“, um so die Vögel fern zu halten. Doch die schiere Anzahl dieser Kästen und das Fehlen größerer Schallbarrieren führt zu einem wunderschönen und weithin vernehmbaren Konzert, was Silvester schon zum Sommerende ermöglicht und ganzen Wingert-Wildsau-Populationen den Tod durch Herzversagen bringt.
Jeden Tag knallts in der Pfalz. Seither kann man nicht mehr durch die Wingerte (also eigentlich nirgendwo mehr hin) laufen. Diese Trommelfell-Terroristen dürfen zwar nicht an offiziellen Wegen stehen, doch sind sie meist so platziert, dass man sie erst im letzten Moment sieht, wenn man irgendwo ums Eck biegt. Die spinnen, die Winzer.


Zum Abschluss noch eine Anekdote aus dem Lehrerzimmer. Vor zwei Wochen waren die Verkehrspolizisten da und haben die Kinder mit dem Fahrrad trainiert. In der Pause saßen sie bei uns und man hat sich über Handschellen unterhalten und darüber, dass sie immer mehr durch Kabelbinder abgelöst werden. Da sagte einer der beiden Wachtmeister, ein Junge hätte mal auf seine Handschellen gedeutet und meinte: „Solche hat die Mama auch!“ Aber bei der Polizei war sie nicht…

Allen Lesern eine schöne Woche und alles Gute,
Sven.

2 Kommentare 21.9.09 19:37, kommentieren