Ein Refplatz

Was ist denn bitte ein Refplatz? Ich sage Euch, es ist total in. Jeder sollte einen haben. Wer einen hat, gibt ihn nie wieder her. Ganz viele wollen einen, nicht jeder bekommt ihn. Und stellt Euch vor, ich habe nun auch einen und bin sehr glücklich. Oh wie schön ist es, einen Referendariatsplatz zu haben.

Meine neue Arbeitsstelle wird an Februar die Grundschule Bockenheim sein. Der Ort liegt nördlich von Grünstadt und ist somit etwa eine halbe Stunde von Kaiserslautern entfernt. So, das wollte ich nur mal los werden. Anbei noch zwei Links, um sich das Ganze genauer anzuschauen:

http://www.bockenheim.de/
http://www.gs-bockenheim.bildung-rp.de/

1 Kommentar 1.12.08 22:12, kommentieren

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Das Ende der Unschuld

Massagen und andere peinliche Kulturunterschiede

Gestern stand ich in der Teeküche der Grundschule, in welcher ich zwei Mal die Woche hospitiere. Anwesend waren meine Mentorin, sowie zwei weitere Lehrerinnen, welche allesamt um die 30 waren. Die Damen kamen plötzlich auf die Toilette zu sprechen, welche nur von der Teeküche aus zu betreten ist und gerade repariert werden musste. Seltsames Gesprächsthema, dacht ich mir. Aber was als harmloser Smalltalk zum Überbrücken peinlicher Stille begann, sollte sich zum bisher größten Kulturschock meiner bisherigen Auslandshistorie entwickeln. Leider beließen es die drei Damen nicht dabei, darüber zu mutmaßen, wann die Keramik wieder in Dienst geht, sondern bestätigten sich gegenseitig darin, wie ungern sie diesen nicht ganz so stillen Ort nutzten. Da in der 2 Quadratmeter großen Teeküche immer Betrieb herrscht und das angrenzende Lehrerzimmer zudem nicht durch eine Tür getrennt ist, würde man alle möglichen Geräusche aus dem Kämmerchen auch im Lehrerzimmer vernehmen können. Da standen die Damen also, gingen in die Hocke, machten Gesten, untermalten diese mit “passenden” Geräuschen und amüsierten sich köstlich darüber, wie wohl die Kollegen im Lehrerzimmer während der Mittagspause in einem solchen Szenario reagierten, wenn man seinen Körpergeräuschen noch ein eiliges “Entschuldigung” hinterherschickt.
Bisher schien mir meine Mentorin äußerst korrekt und vorbildlich, wie man es eben von einer Person erwartet, die Verantwortung für über 20 Kinder trägt. Ich wartete auf Anzeichen dafür, dass alles nur ein Scherz ist, um mich auf meinen Humor hin zu testen. Vergebens. So tat ich, was wohl jeder Deutsche an meiner Stelle getan hätte und verhielt mich, als ob ich das Gespräch nicht verfolgen würde. Vielleicht hatten sie einfach im Eifer nur vergessen, dass ich mit dabei stand. Ich meine, es waren drei Frauen, die ich nicht mal mit Vornamen kenne und gerade 4 mal gesehen habe. Statt jedoch peinlich berührt das Thema zu wechseln, lachten sie mich an und versuchten, mich in das Gespräch mit einzubinden. Gott war das peinlich. Es sinkt für sie live: Das Niveau! Ich versuche nun das, was die Damen nicht geschafft haben. Ein Themawechsel.
Eine der Aupairs hatte vergangenen Montag Geburtstag. Als Geschenkidee bot sich eine Massage für die arme, gestresste Aupair-Dame an. In der Provinz eine Praxis zu finden war jedoch alles andere als einfach. Folglich suchte ich per Google und wurde umgehend fündig. Nun ja, die Startseite der gefundenen Massagepraxis schien etwas seltsam, wird da doch davor gewarnt, dass man eventuell Inhalte sehen könnte, die nicht jugendfrei seien. Aber schließlich bin ich ja in England, weiß doch jedes Kind, wie prüde es hier zugeht. Was ist denn schon dabei, wenn man Bilder aus einer Massagepraxis sieht? Die werden wohl kaum eine Kundengallerie online stellen. Wobei.... den Briten trau ich mittlerweile fast alles zu. Gefasst, das erste Mal in meinem Leben eine unbekleideten, weiblichen Rücken zu sehen, betrat ich also die Seite und war positiv erleichtert. Lediglich Text. Aber Moment.... Nur Informationen zu Kontaktaufnahme und Anfahrt. Wo ist den die Preisliste? Wir wollen ja schließlich wissen, ob unser zusammengelegtes Geld reicht, um der Guten auch wirklich eine Massage zukommen zu lassen. In diesem Moment fiel mir dann auf, welcher Natur die kleinen Grafiken am Rand des Textes waren.... Andere Länder, andere Sitten sag ich da nur (siehe http://www.newburymassage.co.uk/ für alle, die mitreden wollen). Da ich nicht zu meinem Gastvater rennen wollte um meine “Entdeckung” kundzutun (wie soll ich dem glaubhaft erklären, wie ich auf diese Seite kam?), bemühte ich abermals Herrn Google. Kurz zusammengefasst ist Prostitution in England nicht wirklich verboten, jedoch auch nicht öffentlich erlaubt. Unter dem “Massage Parlour Guide” ist Anschaffen quasi in einer rechtlichen Grauzone erlaubt. Finde ich allerdings sehr irreführend, auf der anderen Seite wiederum recht unterhaltsam, wenn ich mir einen britischen Lustmolch auf Geschäftsreise vorstelle, der an der Rezeption einer Massagepraxis einen Termin ausmachen will. Die Gesichter von Masseuren und Lustmolch, wenn das ganze Missverständnis auffliegt, würde ich sehr gerne sehen.

29.11.08 09:45, kommentieren

Extrablatt: Jeden Tag etwas Nicer

Zu den Vorlieben der Engländer gehören Wortspiele. Sie lieben ihre “puns” und haben einen derartigen Spaß damit, dass die Zeitungen geradezu mit verspielten Überschriften übersät sind. Keine Metapher und keine Redewendung ist vor den englischen Journalisten und ihrem Rausch sicher. Einmal ist jede dran. Da wird kredenzt was die Semantik hergibt. Man gewinnt den Eindruck, es gehe dabei um einen Kreativitätswettbewerb. Natürlich ist die Anzahl an Sprichwörtern begrenzt, was den Neuerfindungen schon zu Zeiten des Pyramidenbaus Grenzen setzte. Stört aber keinen, wenn eine Redewendung zum 589. als Überschrift missbraucht wird. So werden Berichte über die Landschaft um die Grafschaft Essex mit “Essex Appeal” betitelt, ein Bio-Bauer wird kurzerhand zum “King of Spades” (Spade->Spaten, King of Spades eigentlich der Pik-König im Kartenspiel). Gar köstlich, dieser britische Humor. Aber man muss ja jede Möglichkeit zum Schmunzeln nutzen, sonst hat man auf dieser Insel wohl üblicherweise nichts zu lachen. Und da ich gerade bei den Medien bin: Sicherlich hat jeder schon das ein oder andere Mal von der renommierten Tageszeitung “Times” gehört und ich frage mich allen Ernstes, weshalb dem so ist. Selbst unsere Provinzzeitung, die Rheinpfalz, hat teilweise ein höheres Niveau. Zwar hat man den Eindruck, die Artikel seien gut recherchiert und mit genügend Hintergrundinformationen gespickt, doch lassen sie bezüglich Themenauswahl und Sprachqualität deutlich zu wünschen übrig. Unter anderem werden sehr häufig Fakten innerhalb eines Textes mehrmals wiederholt. Man sollte meinen die Aufmerksamkeitsspanne des gemeinen Engländers betrage nur wenige Sekunden, da viele Fakten innerhalb eines Textes stets wiederholt werden. So werden beispielsweise drei Mal Angaben dazu gemacht, wo der Soldat stationiert war und wo seine Familie denn nun trauert. Dies ist mir bereits bei so viel Artikeln aufgefallen, dass dies kein Zufall gewesen sein kann. Erwähnte ich bereits, dass die Fakten in den Zeitungsartikeln ständig wiederholt werden? Leider ist auch die Themenauswahl sehr.... eigen. Man stelle sich vor, die Bildzeitung hätte in jeder großen deutschen Tageszeitung ein eigenes Ressort. Dann hat man eine Vorstellung davon, wie ich ungläubig den Kopf schüttele, wenn hier im vollen Ernst die Hälfte der dritten Seite über UFOs, Ehedramen oder auch Gerichtsprozesse berichtet. Die anderen Hälfte teilen sich Werbung und ein Bild zum Artikel brüderlich untereinander auf. Zudem wiederholen sich manchmal diverse Sätze teilweise fast wortgleich immer wieder innerhalb der Texte. Aber was soll all dies Jammern, die Briten haben andere Stärken. Wie beispielsweise die Kreativität. Gerade bei Radiowerbung sind sie uns Deutschen um einiges voraus. Etwa jede dritte Werbung im Radio wird mehr oder minder gesungen, was einem dann unweigerlich im Kopf bleibt. Wer also die Nummer für einen Klempner, einen Fenstermacher oder auch für einen Optiker brauch: Sven fragen, ich sing Euch dann die Nummern vor. Zwar kann ich das nicht ganz so schön wie beispielsweise der Männerchor aus der Fensterwerbung, aber den Zweck erfüllts (Oh eighthundreeeeeed, thiiiiirty fiftyyyy thirtyyyyy... *gröhl*). Furchtbar das. Wird nur noch von dem Werbespot für eine Anwaltskanzlei übertroffen. Da werben ernsthaft (und das ist KEIN Scherz) Anwälte damit, dass sie bei Autounfällen mit Todesfolge, die durch Alkohol am Steuer begünstigt wurden, bei 2/3 ihrer Klienten erfolgreich die Gefängisstrafe von 5 auf 2 Jahre reduzieren konnten. Hallo gehts noch? Kurz im Stile der Times eine Wiederholung: Man trinkt, steigt dennoch hinters Steuer, fährt ein Kind tot und kommt aufgrund dieser Anwälte mit der Hälfte der Haftstrafe davon. Es folgte stets, zwei Werbungen dazwischen, eine Erläuterung, dass man bei vernünftiger Fahrweise diese Anwälte nie brauchen würde, doch schien mir das mehr als heuchlerisch. Das Aha Erlebnis bekam ich dann vor wenigen Tagen, als ich erneut eine schockierende Radiowerbung hörte: Pimp my Coffin! Sicher haben viele von “Pimp my Ride” gehört, eine Fernsehsendung, in der heruntergekommene Autos derart aufgemotzt und poliert werden, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sind. Nun, Coffin heißt Sarg, womit man sich dann den Inhalt der Werbesendung zusammenreimen kann. Sinngemäß sagte die Stimme also, man(n) könne sich seinen Sarg nun mit Spoilern, Verzierungen und Zusatzauspuff schmücken und dann von sechs leichtbekleideten Damen zu Grabe tragen lassen. Ich war echt baff und habe erst beim zweiten Male meinen Ohren getraut und erst beim vierten Hören kapiert, dass sowohl Anwalt- und Sargwerbung lediglich an das Gewissen der Autofahrer appellieren sollen.... typisch britisch. Pechschwarz. So eine Regierungs-Werbekampagne gäb es bei uns nicht. Ach, apropos Werbung. Es gab noch eine andere Radiowerbung, bei der ich meinen Ohren nicht traute. Kam da aus dem Lautsprecher doch: “Vohsprung dug Tegnik”. Heißt übersetzt soviel wie “Vorsprung durch Technik” und ist seit vielen Jahren der Werbespruch der Firma Audi hier in England. Wenn ich mich nicht sehr irre, kam dieser bei uns erst vor ein, zwei Jahren auf. Ebenso “Volkswagen: Das Auto”. Man muss einem Briten lediglich eine deutsche Automarke nennen, und etwa wie der pawlowsche Hund beim Glöckchen Speichel produziert, gibt der Engländer unweigerlich einen Teil seiner Deutschkenntnisse zum Besten. Sollte man mal aufnehmen, wenn man durch die Fußgängerzone läuft, den Nächstbesten anhaut und sagt: “Audi” und als Antwort ““Vohsprung dug Tegnik” zu hören bekommt. Bei meinem Gastvater hats funktioniert. Das Tollste ist aber, dass diese Sprüche, wie oben schon angedeutet, hier offenbar schon seit Jahren verwendet werden, während sie erst kürzlich bei uns ankamen. Sinn dahinter: Die Briten verbinden “deutsch” mit “Wertarbeit”. Solange also auf Deutsch geworben wird, glaubt man hier an gute Qualität. Schade nur, dass dies meist das einzige deutsche Vokabular ist. Ich geh dann mal ins Pub, Vokabeln abfragen. Abschließend noch ein Programmhinweis in eigener Sache: Oben auf dieser Seite könnt Ihr unter "abonnieren" eine E-Mailadresse angeben, dann bekommt Ihr bei Veröffentlichung eines neuen Textes eine kurze Mitteilung. Habe mich zu Testzwecken selbst eingetragen und kann bestätigen, dass man keinen SPAM oder Ähnliches erhält. Also guten Gewissens zu empfehlen. Zudem sind neue Bilder aus Brighton online. Wie immer dem Link rechts in der Leiste folgen.

Allen ein schönes Wochenende und auf bald. Im Anhang noch ein Bild von der Isle-of-Wight Fähre... das gäbs bei uns auch nicht.

Von Gemischtes

1 Kommentar 26.11.08 15:14, kommentieren