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Stolz deutsch zu sein?

Dem ein oder anderen ist sicherlich aufgefallen, dass sich ein Wandel in deutschen Landen vollzogen hat.
Sicherlich ist diese Veränderung durch ein Sportereignis begünstigt, von dem wahrscheinlich der ein oder andere schon etwas gehört hat.
Menschen in schwarz, rot und gold strömen durch die Straßen, jubeln, verbreiten gute Laune und Optimismus. Eine Welle der Euphorie breitet sich aus, schlägt immer größere Wogen und scheint noch lange nicht an Land zu schlagen. Zwei bisher für Deutschland unvereinbar scheinende Begriffe haben sich in der allgemeinen Begeisterung vermischt.

Deutsch und Stolz.

Das Volk feiert sich selbst, den Sport und das Land, welches dieses Fest vor den Augen der Welt vorbereitet hat und nun zelebriert.
Noch vor drei Wochen hätte sich niemand getraut die Landesfarben in diesem Maße öffentlich zur Schau zu stellen, zu groß war die Scham vor der eigenen Identität und dem Urteil anderer. Doch vor wem schämen sich die Deutschen eigentlich? Vor sich selbst? Den Mitbürgern? Vor der Welt, die unsere Geschichte scheinbar für immer mit uns verbinden wird?
Wohl in keinem anderen Land wird das Bekennen zur eigenen Nation so kritisch beäugt wie bei uns.
Umso interessanter ist dabei, dass dies andere Nationen noch weniger verstehen als wir selbst. Egal ob innerhalb Europas oder in Amerika. Unverständnis vielerorts über die Zurückhaltung der Deutschen, welche sich und der Findung einer nationalen Identität eher selbst im Wege stehen. Man würde es uns gönnen, wenn wir wieder selbstbewusster würden bezüglich unserer Herkunft.
Zu eng scheinen aber die deutschen Michel den Stolz mit der Vergangenheit zu verknüpfen. Stolz auf die Herkunft ist ein Tabuthema, die Demut legen wir uns selbst wortlos in die Wiege und geben sie an Kinder und Kindeskinder weiter.
Zumindest war es bis zum 9.6., 18h dieses Jahres so. Von da an scheint sich Deutschland kontinuierlich zu wandeln. Wir zeigen Stolz, die ganze Welt sieht zu und freut sich mit uns.
Oder ist es doch nicht mehr als die vorübergehende kollektive Freude an einer Ablenkung vom Alltag und den sonstigen Sorgen, die in diesem Rausch nicht zu existieren scheinen? Gibt es auch bei der WM einen Aschermittwoch?

1 Kommentar 28.6.06 13:39, kommentieren