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Gut angekommen


Ach ja, die letzten Tage in Deutschland waren seltsam. Vor der Abreise überkommt einen die Melancholie und man wünscht, der Tag der Abreise würde noch etwas in die Ferne rücken. Man trifft sich nochmals mit Bekannten und Verwandten, soweit dies möglich ist, redet über alte Zeiten und diverse andere Sachen, die man sicherlich vermissen wird.
Und andere, die mir nicht fehlen werden.
Werft einmal in einer Gesprächsrunde das Stichwort „Kanada“ in den Raum und das Resultat lässt Euch erahnen, wie es ablief, als man mich in der letzten Zeit nach meinem Verbleib interviewte.
2 Kanadische Dollar gewettet, dass mindestens ein Spaßvogel sagt: da is ja kana da! Oh Sternstunde des Humors, welch Esprit, welcher Einfallsreichtum und Witz doch in diesen fünf Wörtern stecken. Jedes der 487 Mal, als ich diesen Kommentar vor meiner Abreise hörte lag ich unter dem Tisch vor Lachen. Weggeschmissen hab ich mich. Hilfe, nein war der gut.
Sonst fällt den Leuten meistens leider nichts dazu ein, womit das Gespräch am Leben gehalten werden könnte. Manche trauten sich noch zu fragen, wo es denn genau hingeht, aber als die Antwort kam (mit der bisher noch keiner etwas anfangen konnte), war es dann meist Zeit das Thema zu wechseln. Schade eigentlich. Nun, ich wüsste selbstverständlich auch nicht, wo das kleine Kaff namens Antigonish liegt, wäre es nicht der Ort, an dem ich die nächsten Wochen verbringen würde. Aber Ihr wärt ja nicht hier, wolltet Ihr nicht etwas mehr darüber erfahren ;-)
Vorsicht, ducken, ich werfe mit ein paar wenigen Fakten um mich: Antigonish liegt in Nova Scotia, das ist der Bezirk unterhalb Neufundlands. Hauptstadt dieser Provinz ist Halifax. Dies ist auch der naheliegendste Flughafen. Auf dem Globus findet man dies wenn man an der Ostküste der USA, z.B. New York, etwas nach Norden wandert. Dabei passiert man Montreal und Quebec. Bis zur Zeitumstellung liegen wir hier 5 Stunden hinter Euch. Das heißt also, dass ich abends um sieben vespere während der gute deutsche Michel um 0.00 Uhr nachts (Ortszeit) vom Biergarten auf die Straße fällt. In Nova Scotia wird fast ausschließlich Englisch gesprochen, Franzosen und deren Nachkommen sind hier äußerst selten. Wie der ein oder andere dem Namen schon entnommen hat, sind hier eher schottische Nachfahren anzutreffen. Soweit so gut. Ich werde voraussichtlich bis 20. Dezember dieses Umfeld erkunden können und diejenigen, die es interessiert hier auf dem Laufenden halten.
Zum Flug selbst bleibt zu sagen, dass alles reibungslos verlaufen ist. Der Service an Bord war wirklich super, die Saftschubsen werden ihrem Titel nicht gerecht. Sogar das essen war gut. Mittagessen, zwischendurch Kekse, Eis, Gebäck, Sandwiches, Trinken für lau.
Eins muss ich aber noch los werden: ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, ein Araber im Flugzeug ließe mich kalt. Es ist echt unfair diesen Menschen gegenüber, das weiß ich, aber die Angst fliegt mit. Gut, ich war nicht so eingeschüchtert, dass ich den Araber zwei Reihen vor mir nicht mehr aus den Augen gelassen hätte. Wobei es doch ein komisches Gefühl war, selbigen für verdächtig lange Zeit auf dem Klo verschwinden zu sehen. Wahrscheinlich hatte er aber nur Durchfall vom Schweinefleisch und deswegen die Kloschüssel liebgewonnen :-) Schöne neue Welt.
Ich habe mich zudem dabei ertappt, wie ich mir ausmalte welches Spektakel sich hier wohl abspielen könnte: Der Araber springt auf, schreit laut „für Allah“ und fingert an einem kleinen roten Knöpfchen rum und das ist wohl auch das letzte, was man wahrnimmt… Neben mir saß ein Priester mit dicker Goldkette an derer sein Chef samt Kreuz dranhing. Wie der wohl reagiert hätte? Und ob sein Stoßgebet für mich mitgereicht hätte? Naja, ich saß ja direkt daneben, also hätte es sicher etwas abgefärbt… Hoff ich zumindest.
Zum Schluss noch ein Programmhinweis in eigener Sache: Je nachdem wie ich Zugang zum Internet bekomme wird regelmäßig ein Foto des Tages / der Woche auf diese Seite gestellt. Dafür gibt es dann rechts eine extra Rubrik. Zudem werde ich wahrscheinlich eine Onlinegallerie einrichten, auf der ein paar schöne Bilder zu sehen sein werden.
Momentan bin ich noch am Zielflughafen und warte auf den Bus an die Uni.
Also dann, Schalom. Bis zum nächsten Mal.

4 Kommentare 31.8.06 00:13, kommentieren