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Jetlag zur Ortszeit

Die anspruchsvollen Leser werden merken, dass ich mich mit einer amerikanischen Tastatur abmuehe. Man verzeihe mir die Rechtschreibfehler.
Endlich kann ich bei dem Thema Jetlag mitreden und muss sagen: auf die Erfahrung heatt ich gern verzichtet. Na gut, so schlimm war es nicht. Aber anders als ich dachte. Ich habe mit grosser Muedigkeit nach dem Flug gerechnet und es mit einem ploetzlich auftretenden Schlafmangel gleichgesetzt. Nun, das stimmt nicht so ganz. Vielmehr ging es mir so, dass ich am ersten Abend erst um 4 Uhr deutsche Zeit ins Bett ging und dann um 10 Uhr nicht mehr schlafen konnte. Macht sechs Stunden. Gut, fuer viele keine Problem, aber nach einem 23 Stundentag doch recht hart. Zumal man bedenke, dass es hier entsprechend erst 5 Uhr morgens war. Da ist noch kein Schwein wach. Das bringt den Organismus etwas ins Schwanken. Aber nun am dritten Tage ist es halbwegs ueberwunden.
Noch ne kleine Anekdote: Wir mussten gestern um 8 Uhr morgens aufstehen. Mein Zimmernachbar und ich uns also den Handywecker auf kurz vor 8 gestellt. Als unsere beiden Geraete dann klingelten dachte ich nur: Jetlag is nach noch schlimmer als erwartet, ich fuehl mich als haett ich die Nacht durchgemacht. Florian meint noch: is morgens immer so dunkel hier, gell?
Jedenfalls sind wir mal schoen duschen gegangen, freuten uns noch darueber, dass das erwartete Gerangel um die Duschen ausblieb, bis ich dann ins Zimmer zurueckkam. Hui, 8.20, Zeit zum Fruehstueck... und genau in dem Moment fiel mir auch ein, warum alles so still ist und es draussen noch stockdunkel war: Wir hatten beide das Hany noch nicht umgestellt. Folglich war es wohl fuer beide das erste Mal, dass wir nachts um drei Uhr Ortszeit duschen waren.

An kommender Woche werde ich dann ueber das wundervolle kanadische Essen und andere Eigenarten der Einheimischen schreiben. Will Euch ja nicht zu viel auf einmal zumuten.

Cya

1 Kommentar 2.9.06 16:52, kommentieren



Kinderquatsch mit Sven

Kennt Ihr diese amerikanischen Shows, bei denen im Publikum ein paar Leute aus der Crew sitzen und Fragen stellen, deren Antwort sie kennen und jeder merkt das sie mit dem Showmaster unter einer Decke stecken? Die kauen Quasi mit den Fragen den Stoff noch mal für die ganz minder Bemittelten durch.
Steht da doch tatsächlich einer vorne und erzählt uns, wir sollen zum hauseigenen Psychiater gehen wenn wir Heimweh haben. Wir sollen aber keine Angst haben, er darf niemanden erzählen, was wir auf dem Herzen haben. Eine Art Beichtstuhl eben. Dann kamen eben diese komischen, oben bereits erwähnten Fragen. Ausgerechnet von den Angestellten der Uni, welche uns die ganze Zeit betreuen: „Und Du darfst es wirklich nicht einmal dem Präsidenten der Uni sagen?“ „Nein, das ist alles geheim.“

Nun, als Europäer kommt man sich leicht ver… vor. Warum fragen die denn so was? Die dürfen doch eh nicht da hin. Das kann man mit Kindern machen, aber nicht mit 22jährigen.
Zudem war gerade der Psychologe echt komisch unterwegs. Erst mussten wir aufstehen, tief einatmen und dann ganz laut unsere Müdigkeit mit den Worten „Energy“ ausatmen. Klingt noch normal? Dann fragt nicht wie ich mir vorkam als der Typ da vorne stand und uns erklärte, jeder von uns sei ein Bagger…. kein Kommentar dazu.

Wobei man doch Verständnis für diese überaus bemutternde Art bekommt, wenn man sieht wie sich die anderen Neuen verhalten, für die solche „Shows“ eigentlich gedacht sind. 17 bis 18-jährige, spätpubertäre Studenten, welche ohne diese Behandlung wie in der Grundschule wahlweise in freudiger Anarchie mit anschließendem Exodus freudig aufgehen würden oder gleich aufgrund ihrer Lebensunfähigkeit leise vor sich hin verhungern würden weil sie nicht wissen, wie sie den Mikrowellenfraß aus der Folie bekommen. Hmm… würde wohl eher daran scheitern, dass sie die Mikrowelle nicht aufbekommen.
Seit gestern laufen Horden von Erstsemestern (Froshmen) in Rudeln rum, eingeteilt nach Residenz, mit passenden T-shirts und immer wenn ein Clan dem anderen begegnet stellen sie sich gegenüber auf. Dann geht es los. Eine Gruppe brüllt Schlachtrufe, die anderen wollen lauter sein. Immer schön abwechselnd. Immer lauter, bis dann schließlich das festgelegte, sinnarme Programm darin endet, dass jede Gruppe sich mit lautem Jubel selbst feiert. Und dann geht es zum nächsten Battle. Erinnert an Paarungsreife Bonobos, nur dass es hier nicht um Weibchen geht. Über die tollen Spiele, die sie gestern gespielt haben, schweig ich mich mal aus, sonst sag ich noch was Negatives.
Nun, die Betreuung hier ist aber nicht rein negativ zu sehen. Da könnten deutsche Unis etwas lernen. Es gibt nen eigenen, kostenlosen Uniarzt, einen unieigenen Taxidienst der die Studenten in Ihre Wohnhäuser fährt, Begleitpersonal auf Wunsch für den Weg nach Hause, ein Büro das Bewerbungen korrigiert und Lehrgänge anbietet und Personen die für Probleme in allen Lebenslagen und jeglicher Art da sind, damit man sich ganz auf sein Studium konzentrieren kann ohne Sorgen zu haben. Es lässt sich darüber streiten, wie viel den Studenten abgenommen werden darf ohne dass sie von Hilfe abhängig werden.
Morgen geht es an den Strand und dann folgen die ersten Bilder sowie ein Bericht über meinen Vermieter und die kanadische Gastfreundlichkeit.

2 Kommentare 4.9.06 21:58, kommentieren

Unser täglich Fastfood gib uns heute

In der ersten Woche unseres Aufenthaltes waren wir Austauschstudenten auf dem Campus untergebracht. Inbegriffen war neben der Unterkunft in der wunderschönen Uni auch das Essen. Jaja, das Essen. Dieses Erlebnis hat mich so geprägt, dass diesem Thema dieser ganze Eintrag gewidmet sein wird.
Was war das für ein Anblick, als wir das erste Mal in die Mensa kamen. Wer die Bilder schon mal durchforstet hat weiß, welch ein imposantes Kämmerchen das ist. In jedem Fall herrschte emsiges Treiben in dem selbigen, Studenten liefen kreuz und quer, schaufelten sich hier und da was zu Essen auf ihre Teller, holten sich irgendwoher auch etwas Trinkbares und Besteck. Für den Außenstehenden war es wirklich nicht leicht vor lauter Wald ein Bäumchen zu finden. Man lief sozusagen Gefahr vom Angebot erschlagen zu werden. Nun, entweder vom Angebot oder anderen, beweglichen Gegenständen. Letztere sind geschätzte zwei Meter im Kubik und würden es sicherlich nicht mal merken, wenn sie zwischen sich einen armen Europäer geringeren Ausmaßes zerquetschen würden. Diese Viecher sind den meisten als Footballspieler bekannt. Oberste Überlebensregel: Footballspieler haben Vorfahrt. Das man ihnen auch besser nicht keck den letzten Cheeseburger vor der Nase wegschnappt sei nebenbei noch angemerkt, Brei gibt es nämlich keinen in der Mensa.
Nach einem ersten Rundgang, bei dem man sich natürlich Mühe gab nicht sofort als Fremder aufzufallen (dafür bleibt sicher später noch Zeit), hatte man so den groben Überblick. Für Freunde der amerikanischen Esskultur konnte man den gewonnenen Überblick mit einem Wort beschreiben: Paradies (man verzeihe mir die Verwendung der Begriffe amerikanisch und Kultur in einem Satz).
Es gab Pizza mit verschiednen Belägen, Cheeseburger, Hamburger, Pommes, Fleisch, Sandwiches, ein Büffet mit Wurst und anderen Zutaten um sich selbst Sandwiches zu machen, Suppe, Muffins, Pfannkuchen, Limonade floss von der Decke, die Chips flogen einem von selbst in dem Mund… Nun, nicht ganz, aber fast. In jedem Fall gab es das alles und zwar in unbegrenzten Mengen. Kostenlos. Das Beste daran: es schmeckt alles noch um einiges Besser als in den bei uns gängigen Fastfoodketten.
Na, der ein oder andere schon etwas neidisch? :-)
Was freuten wir uns nach diesem ersten Mittagessen auf das Abendessen. Da hatten wir dann schon in etwa nen Überblick und stürtzten uns gleich ins Getümmel. Da ein Stück Pizza, da nen Cheeseburger…
Ja, der nächste Tag kam und wieder war die Vorfreude groß: was würde es wohl heute geben?
Hm, um es nicht zu spannend zu machen: das Gleiche wie am Tag davor. Abends dann wieder. Am folgenden Tag auch. Und am Tag danach. Und abends wieder. Kann sich jemand denken, was es am vierten Tag gab?
Well, well, well… was bin ich froh für mich selbst kochen zu können. Man fühlt sich ernsthaft unwohl von dem ganzen Zeug. Das Salatbüffet war der Rede eben so wenig Wert wie die Früchte. Beides war zwar vorhanden, schmeckt aber verglichen zu unserem Obst und Gemüse eher nach Wasser.
Bevor ich meinen Eintrag nun beende will ich noch kurz was zu einer kleinen Anspielung in einem Gästebucheintrag sagen: ich befinde mich hier in Kanada, das stimmt. Jedoch ist der Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem kanadischen Lebensstil recht gering. Die Größenordungen von Lebensmitteln und Getränken sind zum Beispiel eher europäisch, um ein Beispiel zu nennen. Man merkt schon, dass die Kanadier sich von den US Amerikanern unterscheiden. Doch sind die Unterschiede in meinen Augen gering (wenn auch nicht unwichtig), was man einem Kanadier allerdings niemals sagen dürfte! Sie nutzen jede Gelegenheit um sich von ihren Nachbarn zu unterscheiden. Müsste ich eine typische kanadische Eigenschaft nennen wäre dies: Zwanghaftes Distanzieren von den USA.
Wegen der geringen Unterschiede werde ich auch zukünftig bestimmte Dinge als „amerikanisch“ bezeichnen. Zum einen, weil die Allgemeinheit damit besser etwas anfangen kann und zum anderen, weil ich amerikanisch eben im Sinne von „nordamerikanischer Kontinent“ meine, auf welchem meines Wissens neben des USA unter anderem auch Kanada liegt.
So lange kein Kanadier diese Seite, vor allem der just aufgeführte vergleich von Kanadiern mit US Bürgern, übersetzen kann bleibt wahrscheinlich auch mein Studentenvisum noch gültig.

Allen Daheimgebliebenen eine schöne Woche, ich geh jetzt erst mal in die Küche zum Kochen.
Ratet was es gibt...

13.9.06 03:19, kommentieren