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Freispruch


Puh, gerade noch mal Glück gehabt. Aber wie kam es zu der Geschichte? Fühlt Euch zurückversetzt in die Letzte Woche, genauer gesagt Freitag Morgen. Eine meiner Hauptaufgaben, besser gesagt der Grund, warum ich hier bin, ist das Herumfahren der Kinder. Wenngleich England recht klein ist, führen sie in gewissen Maßen einen amerikanischen Lebensstil. Dies soll im Laufe der nächsten Wochen genauer erläutert werden, heute will ich konkret auf das Empfinden von Entfernungen anspielen. Hier denkt sich offenbar niemand etwas dabei, wenn Kinder 40 min Autofahrzeit auf sich nehmen müssen, nur um Nachhilfe zu erhalten. Ferner spielt es auch keine Rolle, ob die Nachmittagsaktivitäten 15 oder 20 Meilen entfernt sind. Auch die knapp 1,5 stündige Zugreise zur Schule ist keinesfalls unnatürlich. Vielleicht hängt es an der schleppenden Umsetzung des metrischen Systems. Ich meine, 10 Meilen hört sich eben weniger an als 16 km, oder nicht?
Es ist eben normal, aber zeitaufwändig. Darum braucht man, sofern man nebenher auch einen Beruf ausüben möchte, zum einen eine eigene Tankstelle und zum anderen einen Chauffeur. Da erstere Anschaffung bereits recht teuer ist, wird für das Chauffieren ein Aupair angeheuert. Aupairs haben von Haus aus selten Erfahrung mit dem Linksverkehr und meine Bedenken diesbezüglich waren nicht gerade gering. Doch Familienvater Ian war zuversichtlich als er mich also an diesem besagten Freitag an Steuer setzte. Er selbst nahm auf dem Beifahrersitz platz. Armer Kerl....

Bereits das Einsteigen fiel mir und fällt mir heute noch schwer. Rechts einsteigen... Das Anschnallen kennt man ja auch. Aber was zum Geier macht die Gangschaltung an meiner linken Hand? Sind die Pedale etwa auch verkehrt herum? Zum Glück nicht. Was das Schalten angeht: Man setze sich einmal spaßeshalber auf den Beifahrersitz und versuche es. Es fehlt einem jegliche Feinmotorik. Komme mir vor, wie ein Elefant, der mit seinem Rüssel ein Zahlenschloss öffnen will.
Dann lassen wir doch mal den Motor an. Vorsichtig anfahren, erste Versuche sanft zu schalten scheitern kläglich, mit Grüßen ans Getriebe. Irgendwie fühle ich mich wie am ersten Tag der Fahrschule. Nur schlimmer. Alles ist anders. Die Anspannung Ians auf dem Beifahrersitz ist spürbar, wenngleich er sich Mühe gibt, dies nicht zu zeigen. Macht er sich Sorgen um das Auto oder seine eigene Unversehrtheit?
Ich fädele mich also ein. Erst rechts schauen, statt wie gewohnt links. Schon komisch, wenn einem die ersten Falschfahrer entgegenkommen. Da roll ich also. Fragt sich, wer von beiden Insassen nervöser ist. Ohne jegliches Gefühl für die Geschwindigkeit (wer hat nur diese Meilen eingeführt und darf ich hier überhaupt 100 fahren?) So tucker ich also dahin, freue mich über den ersten unfallfreien Kilometer, entschuldigung, Meile und dann kommt der wohl größte Schrecken aller autofahrenden Kontinentaleuropäer. Ein Raundebaut (Roundabout). Das im deutschen als Kreisverkehr bekannte Mode-Phänomen neuerer Verkehrsgeschichte bringt einen eigentlich nicht weiter zum Schwitzen. Anders hier. Zum einen sieht man diese Dinger meist nicht, zum anderen sind sie wohl absichtlich so gebaut, dass man als Fahrer keine Ahnung hat, wie man sich hier einzuordnen hat. Vor allem muss man im Uhrzeigersinn einfahren.
So steht man also, will in einen Kreisverkehr einfahren, auf dem Autos ungewöhnlicherweise im Uhrzeigersinn nebeneinander herrauschen als ginge es ums Fotofinish. Hinzu kommt die Belastung durch drängelnde Autofahrer hinter mir, das Quaken der Domina „Please cross roundabout, text the second exit“ und die spürbar gestiegene Anspannung meines armen Familienvaters. Abenteuer Kreisverkehr.Fast alle dieser Ausgeburten der Hölle sind wahnsinnig weitläufig, haben dennoch offiziell nur eine Spur. Folglich wird man bei langsamer Geschwindigkeit auf beiden Seiten überholt und geschnitten, muss sich beim Verlassen noch darauf konzentrieren dass man ja nicht gewohnheitshalber auf die rechte Spur fährt und dabei noch aufpassen, dass man bei diesem Vorgang nicht rechts überholt wird (was hier natürlich das Normale ist). Dabei hilft es mir nicht wirklich, dass der liebe Ian ständig sagt, ich solle innen fahren (stay on the inside), denn Innen ist hier Außen, sprich der Rande des Kreisverkehrs. Hat lange gedauert, bis sich das geklärt hatte.
Wir fahren ruhig vor uns hin, kommen in eine ruhige Seitenstraße, in der links Autos parken. Ich schaue natürlich nach rechts hinten, da bei uns von dort Autos zu erwarten wären und ich selbstverständlich Vorrang hätte. Schließlich steht das Hindernis links und fahre rechts dran vorbei. Nicht so hier, und das Auto, welches mir gerade frontal entgegenkommt, hat selbstverständlich Vorrang, da die Hindernisse auf meiner Spur (links) sind. Schwer zu erklären. Leichter verständlich ist Ians Reaktion. Er macht mittlerweile keinen Hehl mehr um seine Gefühle. Mit gestreckten Füßen abstoßend drückt er sich in seinen Sitz. Wäre dieser nicht da, würde er nun wohl im Kofferraum sitzen und weinend am Daumen lutschen, darauf hoffend, dass er nun gleich aus diesem Alptraum erwachen würde.
Stress pur. Ian klammert sich mittlerweile mit beiden Händen im Auto fest. Es sei gesagt, dass es ihm zu dieser Zeit noch verhältnismäßig gut geht.
So fahren wir durch die englische Landschaft, ich biege gemütlich ab und merke anhand wilder Gestik links neben mir (die lauten Rufe nehme ich nicht war, da ich zu sehr auf das Fahren und Schalten konzentriert bin), dass wohl etwas nicht stimmt. Anhand der einzelnen Wortfetzen, die ich aufschnappe und aufgrund des Autos, welches mit Lichthupe frontal auf mich zufährt merke ich, dass ich wohl aus Gewohnheit beim Einbiegen auf diese Straße die rechte Spur gewählt habe. Nachdem nun allerdings der Golf vor mir diese Seite für sich beansprucht und Ian vor Erleichterung über den verhinderten Frontalaufprall lediglich bleich, stumm und leicht zitternd auf die linke Spur hindeutet, passe ich mich wieder den Gegebenheiten an.

Wie es weiterging habt Ihr ja dem Zeitungsartikel entnehmen können.
Muss nun schnell weg in die Stadt, etwas abholen ;-) Übrigns kommen heute Abend noch Bilder aus Bath (rechts unter "Links" zu finden... was ein Wortspiel). Das Video dürfte nun übrigens auch funktionieren.

7 Kommentare 3.10.08 15:32, kommentieren



Gewinne, Gewinne, Gewinne

Um Euch das Warten auf den nächsten Artikel zu verkürzen, möchte ich Euch heute ein Gewinnspiel präsentieren. Eins vorweg: Herr Google oder gar das Internet dürfen für die erste Frage nicht beansprucht werden. Die Zusatzfrage ist hingegen schon recht knifflig und bedarf wohl etwas Recherche, wofür jegliche Hilfsmittel erlaubt sind. Alle richtigen Antworten nehmen an einer Verlsoung für einen Überraschungspreis teil. Wer die Zusatzfrage richtig hat, nimmt mit einem weiteren Loszettel teil und erhöht so seine Gewinnchancen. Zum Gewinn kann ich leider nicht allzuviel sagen ohne zu viele Tipps zu geben. Es sei nur angemerkt, dass Ihr in Eurer Teilnahmemail auch Eure Konfektionsgröße für Oberbekleidung angebt. Weiteres im Video.

Gruß,
der Sven.

4 Kommentare 13.10.08 13:03, kommentieren