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Katastrophen, Krisen, Kondolenzen

„Herr N, Dein Auto brennt!“ Welch Entzücken, welch Tragik, vereint in einer Phrase. Es war der schwarze Mittwoch, welchem dieser süße Ausspruch den Gipfel aufsetzte. Ein Tag im Krisengebiet zwischen Kinderbach und Rhein. Der Tag zwischen brennenden Autos, Ausnahmezuständen und Vorfreude auf die WM. „Jaja, der Sven übertreibt mal wieder“, denkt man sich nun. Doch wehe lieber Leser, der Du Dich dieser Meinung sicher wähnst. Es fing an diesem Tage damit an, dass es des nachts zu sintflutartigen Regenfällen kam. Obgleich des inflationären Gebrauchs dieses Adjektivs verwende ich es bewusst. 42 Liter innerhalb einer halben Stunden stürzten gen Boden. Straßen führten einen halben Meter Wasser, Mauern wurden eingedrückt, Trümmer durch die Gegend geschoben. Und das alles vor meiner Haustür. Das Rückstoßventil hielt den Wassermassen nicht stand und so ergoß sich eine Melange aus Erde, Exkrementen und Wasser auf meiner Dusche in Bad und Flur. Wobei ich sagen muss, dass es sich trotz obiger wahrheitsgetreuer Schilderung dennoch in Grenzen hielt. Das Wasser stand zum Glück nur einen guten Zentimeter hoch. Kaum ausreichend für Wassersport oder einen Feuerwehreinsatz. Dafür aber durchaus genug, um Bodenbewohner wie Kellerasseln und Spinnen mit Eimern vor dem sicheren Tod bewahren zu müssen.Beim Nachbarn, dessen Küche ein Stockwert höher liegt, war mehr Spaß mit dem kühlen Nass geboten. Im Wettbewerb um Kindenheims next Top-Rückstoßventil verlor sein Kandidat deutlich und gab trotzig große Wassermassen frei. Die Küchenspüle wurde zum braunen Quell der Freude. Der Weg zur Arbeit erinnerte an Reportagen aus Kosovo, Afghanistan oder Phuket. Trümmer, Schlamm und Treibgut bildeten einen natürlichen Hindernis-Parcour, Paris-Dakar Feeling inklusive. Fehlte nur noch der Touareg samt Frau Kleinschmitt. So kämpfte sich meiner tapferer Golf durch die Landschaft, nur damit ihn ein tragisches Schicksal ereilen sollte. Während wir Lehrer mit der Begutachten der zunächst schlimm aussehenden Wasserschäden im Schulhaus beschäftigt waren, ließ man mir durch klein Emely mitteilen, dass mein Auto in Flammen stünde (siehe Einleitungssatz). Gott sei Dank war es nur die Beleuchtung, die brannte. Wäre sonst auch zu viel des Guten gewesen. Die Folgen dieses 9. Juni, welchen manchen Winzern hier nahezu 100% Ernteausfall bescherte, sind noch immer sichtbar. Schlamm und Geröll halten sich hartnäckig auf den Landstraßen.

Nun, was hat es nun mit den Kondolenzen zu tun? Die hab ich eigentlich nur aus stilistischen Mitteln gebraucht, damit ich einen schönen Titel für diesen Eintrag haben. Wer meinem verblichenen Badezimmerteppich dennoch sein Beileid aussprechen möchte, hat meine Adresse. Im Anhang ein Bild, welches die Überreste einer drei auf zwei Meter hohen Mauer zeigt. Diese stand ursprünglich 200m nördlich von diesem Punkt, gab aber nach, als der von ihr geschützte Hof mit Wasser soweit voll lief, bis das Gewicht das Gemäuer zum Einsturz brachte.

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