Mein Nachbar, der Terrorist.

Was war es doch für eine Aufregung am Dienstagmorgen. Ein früherer Bewohner des kleinen Städtchens Gueugnon, in dem ich mich befinde, ist zu unerwarteter Berühmtheit gekommen. Und dies nicht etwa, weil er 20 Salzstangen in einer Minute essen kann (was wiederum fast unmöglich ist, probiert es aus). Auch nicht, weil er in der hiesigen Fußballmannschaft, welche in der zweiten Liga (!) spielt, das Tor des Jahres geschossen hat. Wobei das Verb „schießen“ uns schon in die richtige Richtung bringt. Er wurde diese Woche von der französischen Polizei als Kopf einer Terror-Zelle festgenommen, welche wiederum in der Pariser Metro wohl einen Anschlag geplant hatte. Wenn das mal kein Werdegang ist, aus einem 8.000 Seelen Städtchen zum meistgesuchten Nachwuchsverbrecher. Schade, Pokal und Zertifikat für diese Auszeichnung wurden glaub ich gestrichen?!
Zudem war in Erfahrung zu bringen, dass mein Chef früher mit besagtem VIP zusammen in einer Klasse war. Unnötig zu erwähnen, dass ich mich beim Schreiben dieser Mail dauernd umsehe. Wer weiß, wenn mein Chef wegen dieser gerade Zeilen mich nicht ins Taliban-Trainingslager bringt, dann hat sicherlich die französische Gendarmerie, welche spätestens seit dieser Woche zweifellos die Leitungen im Rathaus kontrolliert, schon ihre Pläne mit mir.

Apropos Rathaus, dies bringt mich zum nächsten Punkt. Grob über den Daumen gepeilt haben ein Drittel der Belegschaft in den letzten zwei Generationen mindestens einen Ausländer im Stammbaum stehen. Eine spontane Umfrage bei den Kindern am Dienstag in der Kantine ergab ein ähnliches Ergebnis. Es ist, wohl regional unterschiedlich, eine Tatsache, dass sehr viele Franzosen ausländischer Abstammung sind. Das sie das Elsass auch hinzu zählen… (kein Scherz) gut, denen geht es dabei wohl wie uns mit dem Saarland, keiner will es haben. Alleine in meiner Abteilung sind von 10 Leuten zwei direkte Nachkommen von Ausländern.
Ich kann mir die Reaktionen einiger Leser dieser Mail ernsthaft sehr gut vorstellen:
Juhuuuu, die Franzosen sterben aus! Sie werden von Ausländern unterwandert. Aber, Torsten, Niko und auch andere, schaut Euch mal um. Natürlich nicht wörtlich gesehen, die Franzosen kommen Euch nicht holen, sondern in Eurem Umfeld! Der Anteil der ausländischen Bevölkerung ist auch bei uns nicht gering. Wartet mal ein-zwei Generationen, dann hat sich das auch alles schön gemischt, wie im Hundezwinger :-) Also wenn die Franzosen aussterben, dann nicht ohne dass wir ein paar Jahre später auch im Klub dabei sind.
Um Gottes Willen, ich habe nun wirklich nichts gegen Ausländer, im Gegenteil, diese Entwicklung ist wohl global, wollte damit nur diejenigen bremsen, die Frankreich immer noch als „die falsche Seite der Grenze“ bezeichnen oder als „Land des Erbfeindes“.
In diesem Sinne, Schalohm, und glaubt nicht alles, was auf den Fahndungsfotos über mich geschrieben wird.


Sven.

20.5.06 16:03

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