Der Erdnussterrorismus

Alle Welt konzentriert sich bei der Bekämpfung des Terrorismus auf die Abwehr von Flugzeugen und Bomben, sind diese doch erste Wahl eines standesgemäßen Terroristen.
Jedoch gerade Nordamerikaner könnten bald einer neuen Gefahr gegenüber stehen. Dem Erdnussterrorismus. Der Vorteil einer Erdnuss: klein, handlich, unauffällig und vor allem tödlich. Zudem weder von Metalldetektoren noch Spürhunden zu entdecken.
„Wieso tödlich?“, mag sich der aufmerksame Bürger fragen. Seid beruhigt, falls Ihr aus Europa stammt ist es unwahrscheinlich, dass Euch Erdnüsse etwas anhaben können. Doch für diejenigen unter Euch, die nordamerikanische Vorfahren haben... Ihr könnt mich gerne wohlwollend in Eurem Testament erwähnen.
Aber nun mal Klartext. In Nordamerika, also Kanada und den USA, reagiert ein sehr hoher Anteil der Bevölkerung etwas.... naja, sagen wir abgeneigt auf diverse Lebensmittel. Damit meine ich nicht Rosenkohl oder Heuschrecken, die manchen Menschen ein Gefühl der Übelkeit in der Magengegend bescheren, sondern eine abstoßende Reaktion des Körpers auf gewisse Stoffe, im Volksmund Allergie genannt.
Ich schildere Euch den Fall aus einer Grundschule: Ein ganz normaler Tag in der Kantine. Die Kinder stehe an der Essensausgabe, es gibt zwei Gerichte. Eines davon enthält Spuren von Erdnüssen. Also keine Erdnussstücke, sondern lediglich einige Elemente, da ein Bestandteil des Gerichts auch mit Erdnüssen gefertigt wurde. Eines der Kinder, nennen wir es Anna, entscheidet sich für das Essen ohne Erdnussspuren. Anna setzt sich hin, isst einen Löffel und verstummt. Binnen Sekunden schwillt ihr Hals an, sie bekommt keine Luft mehr und stirbt innerhalb weniger Minuten, noch bevor der Arzt an der Schule ankommt. Gelegentlich übertreibe ich hier etwas um den Unterhaltungswert zu steigern, hierbei nicht. An dem Schöpflöffel, mit dem Anna ihr Essen bekam, war etwas von dem anderen Gericht, welches Erdnussspuren enthielt. Da Anna allergisch auf Erdnüsse reagiert, reichte dies um einen allergischen Schock auszulösen. Im Prinzip war es so, als würde man eine Badewanne voll Gulasch kochen und eine halbe Erdnuss hinzufügen. Diese geringe Menge reichte aus, um bei Anna eine tödliche Reaktion hervorzurufen.
Doch das wirklich Schlimme an der Sache ist, dass diese Sensibilität auf Inhaltsstoffe im Vergleich zu Europa extrem häufig auftritt. Mars-Riegel dürfen beispielsweise nicht in der gleichen Fabrikhalle wie Snickers hergestellt werden. Sitzt nur ein Kind mit einer solchen Allergie in der Klasse, darf in der ganzen Klasse kein einziges Kind ein Pausenbrot mit Erdnussspuren mitbringen. Bei machen Menschen reicht schon der Geruch einer Erdnuss aus um sie in Lebensgefahr zu bringen.
Von den rund 12 Millionen Amerikanern, die an Allergien leiden, sind sicherlich nicht mal die Hälfte derart sensibel wie unser Fallbeispiel Anna. Zudem sind der Haupteil dieser Gruppe gegen Milch und Eier allergisch. Der Prozentsatz ist immerhin hoch genug, dass auch in den kleinsten Läden die handgemachten Brötchen mit „erdnussfrei“ beschriftet werden. Man stelle sich vor, was eine Erdnusslösung in der Wasserversorgung bewirken könnte, um wieder auf das Thema mit dem Terrorismus zurückzukommen.
Um bei erschreckenden Dingen zu bleiben: Dass Amoklaufen in nordamerikanischen Schulen schon fast eine sportliche Disziplin zu sein scheint ist schlimm genug. Doch entscheide jeder für sich, was schlimmer ist: die Tatsache, dass diese Blutbäder immer häufiger auftreten oder der Fakt, dass Kinder und Lehrer diese Szenarien wie einen Feueralarm üben müssen, meist ohne zu wissen ob es eine Übung oder Realität ist. Neben dem „code red“, also dem Feueralarm, gibt es unter anderem auch den „code blue“. Dieser wird bei einem Amoklauf in der Schule durch die Lautsprecher bekanntgegeben. Daraufhin müssen die Lehrer das Klassenzimmer verriegeln und sich mit den Kindern, welche zuvor alles von den Tischen räumen mussten, an der Wand entlang aufstellen. Der Attentäter glaubt so beim Vorbeilaufen, der Raum sei verlassen, da er durch das Türfenster nur leere Tische sieht (Schulen in Nordamerika haben in den Unterrichtsräumen immer einen Glaseinsatz in der Tür).
Mit diesen Eindrücken schließe ich die Rubrik „Kanada“ und bedanke mich nochmals bei allen für die positiven Rückmeldungen.

Liebe Grüße,

Sven.

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13.2.07 11:38

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(13.2.07 16:24)
Zu diesem Thema: Wir hatten neulich mal unseren Spass mit einer Dose ERDNUSSBUTTER auf der augedruckt war: "Vorsicht, KANN Erdnüsse enthalten!" Was mich daran erinnert: In Amerika wurde eine Klage abgewiesen (ansich schon spannend). Mc Donalds war NICHT für die Fischvergiftung eines Kunden verantwortlich. Sie konnten beweisen, dass der Fishmac keinen Fisch enthält.............

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