Frankreich

Tretminen und Delikatessen

Die Bundestagswahlen sind vorbei und trotzdem ging die Sonne wieder auf...

auch in Frankreich. Dort, wo Menschen und Hunde gleichermaßen alles einfach fallen lassen, was sie nicht mehr brauchen. An Ort und Stelle. So wird jeder Gang in freier Wildbahn zum Hindernisparcours.
Aber wer kann es Ihnen schon verübeln, woher sollen sie es denn wissen, wenn es ihnen die Herrchen schon so vormachen? (nur um Missverständnisse zu vermeiden, die Franzosen erleichtern sich natürlich nicht auf dem Bürgersteig, dass machen ihre Hunde; sie selbst lassen aber ständig Müll fallen, als gäb es dafür Payback Punkte)

Mir wurde freundlicherweise angeboten, den zweiten Monat bei einer hier ansässigen Tierärztin zu wohnen. Also aurevoir Hôtel, salut Hundezwinger...
Hoffe mal, dass die Praxis wärmer ist als mein jetziges Heim. Da die Heizung nicht lief, habe ich das ganze Wochenende mit Pullover und Jacke zu Hause zugebracht. Lediglich draußen konnte man sich in der Sonne etwas wärmen.

Apropos angeboten... bisher habe ich schon drei Einladungen zum Essen von Arbeitskollegen erhalten. Mit Familie vorstellen und so... leider ist es hier üblich, das zu essen, was man bei uns so vor der Haustür oder im Garten findet... sie waren doch leicht verdutzt, als ich auch nach dem dritten Nachfragen weder Froschschenkel noch Schnecken probieren wollte. Und das ist KEIN Witz! Hielt das bisher (zumindest was die Frösche betrifft) für eine Geschichte, die noch aus Opas Jugen-Propaganda-Heftchen anno 1933 stammt, um bei kleinen Kindern eine Antipathie gegen den verhassten Nachbarn zu wecken, aber siehe da. Ist also nicht ein kleiner, elitärer, ausgeflippter Kreis, sondern die Mehrheit, die diese Delikatessen gerne isst.

Ich wünsche mal allen Wählern und Nichtwählern eine schöne Woche, und denkt an mich wenn Ihr durch Otterberg fahrt und neben meinem lieblings Döner-Laden (mit Putenfleisch) ein kleines Schildchen mit der Aufschrift "Gueugnon 551km" seht.

Au revoir,


Sven

1 Kommentar 20.5.06 16:02, kommentieren

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Umwelterziehung für Hunde

Bonjour mes amis.

Wieder ein neuer Tag in Frankreich.

Apropos neu, wenn Euch meine Episoden das Postfach zuspamen oder Ihr sie aus einem anderen Grund nicht wollt, nur kurz bescheid sagen, dann nehm ich Euch aus dem Verteiler :-)

Für alle anderen hab ich wieder den ein oder anderen Eindruck, den ich ersteinmal verarbeiten muss.
Das Thema "Hund", bekannt aus der letzten Episode, beschäftigt mich auch weiterhin. Neulich war ich mit dem Rad unterwegs als ich auf einem breiten Feldweg in großer Entfernung einen Hund entgegenkommen sah. Mich beschlich ein leicht ungutes Gefühl... man beachte folgende Rechnung:

Hund (in diesem Fall Pitbull) + Fahrradfahrer (also in diesem Fall dummerweise ich)
- anwesendes Herrchen = oh oh

Als ich näherkam fiel mir jedoch auf, dass sich das Auto neben dem Hund langsam vorwärts bewegte. Auf der einen Seite war ich beruhigt, wähnte ich doch den Fahrer als Besitzer von Hund und Auto, jedoch fragte ich mich:
Wer "fährt" schon mit seinem Hund gassi? Gut, der Mann brauchte Jeans in die ich drei Mal reinpasste. In das andere Hosenbein übrigens auch. Also eventuell ein Gesundheitsschaden. Als ich auf dem Rückweg aber das gleiche Phänomen (anderes Auto, schlankerer Besitzer... wesentlich schlanker.... anderer Hund) noch einmal sah, war ich zugegebener Massen verdutzt. Die vermeintliche Störung schien wohl nicht zwingend körperlicher Natur zu sein...

Es ist hier ebenfalls Mode, das Auto laufen zu lassen, während man in die Bäckerei geht. Bleibt mir schleierhaft warum. Erstens kostet es Sprit, zweitens ist die Nachfrage nach Autos gross, vor allem wenn sie aufgetankt, mit Schlûssel im Schloss und laufendem Motor gerade zu "nimm mich!" schreien.
Ich habe ernsthaft den Eindruck, dass die Umwelterziehung in den Schulen hier den gleichen Stellenwert hat wie das Lesen aus einer Kristallkugel in den deutschen Bildungsrichtlinien.

Aber die positiven Seiten hier überwiegen. Jeden Abend liegen mir die Damen zu Füssen und warten aufgeregt, bis ich nach Hause komme. Dort angekommen fällt es mir schwer mich zu retten. Wenn sie schwanzwedelnd ankommen um gekrault zu werden, kann man den Hunden nicht böse sein.

Nun gut, ich verabschiede mich für heute und wünsche allen, dass sie ein
genauso schönes WE verbringen wie ich ;-)

Sven.

1 Kommentar 20.5.06 16:02, kommentieren

Mein Nachbar, der Terrorist.

Was war es doch für eine Aufregung am Dienstagmorgen. Ein früherer Bewohner des kleinen Städtchens Gueugnon, in dem ich mich befinde, ist zu unerwarteter Berühmtheit gekommen. Und dies nicht etwa, weil er 20 Salzstangen in einer Minute essen kann (was wiederum fast unmöglich ist, probiert es aus). Auch nicht, weil er in der hiesigen Fußballmannschaft, welche in der zweiten Liga (!) spielt, das Tor des Jahres geschossen hat. Wobei das Verb „schießen“ uns schon in die richtige Richtung bringt. Er wurde diese Woche von der französischen Polizei als Kopf einer Terror-Zelle festgenommen, welche wiederum in der Pariser Metro wohl einen Anschlag geplant hatte. Wenn das mal kein Werdegang ist, aus einem 8.000 Seelen Städtchen zum meistgesuchten Nachwuchsverbrecher. Schade, Pokal und Zertifikat für diese Auszeichnung wurden glaub ich gestrichen?!
Zudem war in Erfahrung zu bringen, dass mein Chef früher mit besagtem VIP zusammen in einer Klasse war. Unnötig zu erwähnen, dass ich mich beim Schreiben dieser Mail dauernd umsehe. Wer weiß, wenn mein Chef wegen dieser gerade Zeilen mich nicht ins Taliban-Trainingslager bringt, dann hat sicherlich die französische Gendarmerie, welche spätestens seit dieser Woche zweifellos die Leitungen im Rathaus kontrolliert, schon ihre Pläne mit mir.

Apropos Rathaus, dies bringt mich zum nächsten Punkt. Grob über den Daumen gepeilt haben ein Drittel der Belegschaft in den letzten zwei Generationen mindestens einen Ausländer im Stammbaum stehen. Eine spontane Umfrage bei den Kindern am Dienstag in der Kantine ergab ein ähnliches Ergebnis. Es ist, wohl regional unterschiedlich, eine Tatsache, dass sehr viele Franzosen ausländischer Abstammung sind. Das sie das Elsass auch hinzu zählen… (kein Scherz) gut, denen geht es dabei wohl wie uns mit dem Saarland, keiner will es haben. Alleine in meiner Abteilung sind von 10 Leuten zwei direkte Nachkommen von Ausländern.
Ich kann mir die Reaktionen einiger Leser dieser Mail ernsthaft sehr gut vorstellen:
Juhuuuu, die Franzosen sterben aus! Sie werden von Ausländern unterwandert. Aber, Torsten, Niko und auch andere, schaut Euch mal um. Natürlich nicht wörtlich gesehen, die Franzosen kommen Euch nicht holen, sondern in Eurem Umfeld! Der Anteil der ausländischen Bevölkerung ist auch bei uns nicht gering. Wartet mal ein-zwei Generationen, dann hat sich das auch alles schön gemischt, wie im Hundezwinger :-) Also wenn die Franzosen aussterben, dann nicht ohne dass wir ein paar Jahre später auch im Klub dabei sind.
Um Gottes Willen, ich habe nun wirklich nichts gegen Ausländer, im Gegenteil, diese Entwicklung ist wohl global, wollte damit nur diejenigen bremsen, die Frankreich immer noch als „die falsche Seite der Grenze“ bezeichnen oder als „Land des Erbfeindes“.
In diesem Sinne, Schalohm, und glaubt nicht alles, was auf den Fahndungsfotos über mich geschrieben wird.


Sven.

1 Kommentar 20.5.06 16:03, kommentieren