Frankreich

Weihnachten auf Schloss Gueugnon

Ach, wie schön, die letzten Tage vor Weihnachten. Schon der 5. des Monats, wie die Zeit vergeht. Es ist kalt und man sehnt sich schon nach dem Wochenende, zu Hause gemütlich in einer Decke eingemümmelt ein Buch lesen. Eventuell die Weihnachtsgeschenke schon einpacken oder noch ein paar Plätzchen backen. Überall sind schon Lebkuchen und Christstollen in den Auslagen zu sehen. Da kann einem doch nur weihnachtlich zu Mute sein….

aber halt, was ist das denn?

es ist zwar der 5., aber erst Oktober. Und trotzdem stimmt alles, was ich oben geschrieben habe… Hmmm… da wurde ich doch schon von der Propaganda eingelullt. und, hey, ich bin doch in Frankreich. Was machen da Artikel mit Beschriftungen wie „Weihnachtsstollen“, „Edelmarzipan“ oder , jetzt kommt der Hammer, „Schokolade am Stiel- Weihnachtsmänner aus Vollmilchschokolade“ im Supermarché? Hab ich was verpasst?
Wozu hat man eigentlich diese Globalisierungsgegner, die bei jedem Treffen der G8 nen Regentanz vor dem Sitzungsgebäude aufführen? Wer bezahlt die denn? wenn sie es nicht mal gebacken bekommen, unser armes Nachbarland vor dem vorzeitigen Weihnachtsexodus der deutschen Schwerindustrie zu bewahren, seh ich für diese Berufssparte keine Zukunft.

Also noch mal von vorn… kalt draußen und der 5. des Monats. Das heißt, dass ich in etwas mehr als zwei Wochen wieder zu Hause bin. Dann kann ich mir endlich mal ne warme Jacke anziehen. Mit der Regenjacke bei den Temperaturen rumzulaufen ist nicht jedermanns Sache.
Aber ich habe ja meine Kühlkammer (welche bekanntlich noch kälter war als die Außentemperatur) gegen ein kleines Zimmer in einem bescheidenen Häuschen getauscht.
Nun, im letzten Satz hab ich etwas gelogen… bescheidenes Häuschen trifft es nicht so ganz…
es gibt auf jeden Fall zwei Badezimmer und meines Wissens nach 9 Zimmer, wobei eines davon sich flächenmäßig nicht vor einem Tennisplatzes verstecken muss (kein Scherz! ich wiederhole, kein Scherz).
Was sich wiederum im ersten Stock so befindet weiß ich noch nicht, ich bin noch dabei mir Tibetaner für diese Expedition einfliegen zu lassen, die mir den Proviant tragen. Aber immerhin gibt es zwei Treppen, die in den ersten Stock führen. Eine am Eingang und eine andere direkt an der nächsten Haltestelle der hauseigenen Transrapidstrecke. Gut, das ist jetzt übertrieben, aber das mit den neun Zimmern im Erdgeschoss und den zwei Treppen stimmt. Letzteres ist normal reine Platzverschwendung.
Die Besitzerin ist mit Ausnahme eines Hundes und drei Katzen immer alleine hier. Ich treffe sie allerdings fast nie an. In so einem großen Haus ist die Wahrscheinlichkeit jemand zufällig zu treffen wohl so hoch wie die bei Aldi Montags Abend noch eine Winterjacke in gewünschter Größe UND Design zu finden, nachdem sich morgens schon die Hausfrauen-Milizen über die Wühltische hergemacht haben. Nein ernsthaft, sie ist Tierärztin und noch Beigeordnete und eigentlich nie zu Hause. Bin sozusagen auf mich gestellt.
Nun gut, das war es mal wieder von mir.
Denkt an mich, wenn Ihr im Supermarkt irgendwo zwischen den Osterartikeln für 2006 versteckt, ganz hinten im Eck, schon Weihnachtssachen seht.
Und Gruß an alle Globalisierungsgegner, die Ihr mit eben diesen Artikeln an der Kasse seht.


Sven.

1 Kommentar 20.5.06 16:03, kommentieren

Werbung


Zum Abschied noch Gesellschaftsspiele

Gestern verbrachte ich den Tag in einem Collège, was in Deutschland etwa der Mittelstufe entspricht. Im Großen und Ganzen ist der Schulalltag der Gleiche wie in Deutschland. Die Schüler sind hoch motiviert, machen nichts lieber als im Unterricht aufzupassen und fleißig mitzuarbeiten und die Lehrer kommen abends erholt nach Hause, als hätten sie einen Kurzurlaub hinter sich. In Folge dessen gibt es nur gute Noten und Lehrer ist somit der Traumberuf aller Jugendlichen.
(wer das auch noch glaubt, dem kann ich auch nicht helfen…)
Also, wie gesagt, ist so, wie bei uns auch, immerhin sind unsere beiden Länder nicht so unterschiedlich.
Ich glaube allerdings, dass George Orwell in Wahrheit Franzose war und seinen Roman Big Brother an sein Tagebuch angelehnt hat.
Wer jetzt an diese Sendung für die intellektuelle Elite denkt, in der menschliche Versuchskaninchen zur allgemeinen Belustigung Ihr Gehirn samt Manieren vor der Eingangstür abgelegt haben, der liegt falsch. Die Überwachung findet nämlich (noch) nicht per Video statt und lustig würde ich als Schüler das auch nicht nennen.
Es gibt ein ausgeklügeltes Meldesystem, welches folgendermaßen funktioniert:
Falls ein Schüler nicht da ist, legt der Lehrer einen Zettel in den Briefkasten vor der Tür des Klassensaales. Jetzt kommen kleine Mainzelmännchen, sammeln emsig alle Papierchen ein, geben die Daten in eine groooße, groooße Datenbank ein, in der JEDER Schüler registriert ist. Der Computer spukt automatisch einen offiziellen Brief für die Eltern aus, zudem werden sie noch direkt nach Eintreffen der Zettel angerufen.
Außerdem hat jeder Schüler eine Art Tagebuch mit Coupons, in der Unfälle während der Schulzeit, gewünschte Gespräche mit den Eltern und Abwesenheitsvermerke eingetragen werden.
Erinnert wie gesagt ein wenig an ein Gutscheinheft. Was man bekommt, wenn man alles ausgegeben hat, weiß ich aber nicht. Denk mal es winken attraktive Preise wie Schulverweis oder Steinigung auf dem Schulhof?!
Überflüssig zu erwähnen, dass dieses Heft regelmäßig von den Eltern gelesen werden muss.
Blau machen ist hier also nichts für Warmduscher.
Für die Lehrer unter Euch, die sich aufregen und sagen: „ich hab doch schon genug zu schaffen, jetzt kommt so was noch dazu“… keine Angst, das machen die Lehrer gar nicht, wozu hat man denn den „Sicherheitsdienst“, der all das erledigt (und bei dem auch die Mainzelmännchen mit den Zetteln arbeiten). Dieser sorgt für die Sicherheit auf den Fluren, dem Schulhof und während der Freistunden, die man in einem großen Saal neben der Sicherheitszentrale mit Stillarbeit verbringt.
An die Scheinwerfer und den Stacheldraht an den Schulmauern und die kreisenden Hubschrauber gewöhnt man sich zudem schnell. Falls man während der Unterrichtszeit aus welchem Grund auch immer das Schulgelände schnell verlassen muss, empfiehlt es sich aber auf jeden Fall dies anzuklären. Die Hunde sind nämlich meistens schneller als die Schüler und die Scharfschützen sollen auch ganz zuverlässig arbeiten.

Ich habe auch noch ein tolles französisches Spiel gelernt.

Für das Spiel braucht man:

Eine Mutter (was wiederum meistens auch einen Vater voraussetzt)
Eine Tagesmuter (in Frankreich „Nunu“ genannt)
und ein Kind (bzw. auch gerne mehrere Kinder, falls obengenannter Vater noch vorhanden)

Spielverlauf:

Mutter und Vater sind für die Bereitstellung des Spielmaterials zuständig, in diesem Fall Kind.
Zudem ist es notwendig, eine sogenannte Nunu zu finden, was aber hierzulande einfacher ist als den ersten Spielgegenstand zu beschaffen.
Nun gibt man einfach das Kind an die Nunu weiter und geht den ganzen Tag arbeiten. Das Alter des Kindes ist dabei fast beliebig. Von ein paar Wochen bis ca. 10 Jahre können Kinder jeden Alters teilnehmen.
Die Nunu ist für sämtliche Belange wie Freizeit, Essen, etc. zuständig.
Die Dauer, die das Kind bei der Nunu verbringt, kann im Spielverlauf in manchen Fällen die Dauer der Zeit mit der eigenen Mutter fast um Ein Drittel übersteigen. Man überlege, dass die Mutter unter umständen das Kind kurz nach sieben Uhr abgibt und abends um fünf von der Arbeit kommt. Dies ist aber für das Spiel nicht weiter tragisch.

Ziel des Spieles

Gewonnen hat wer am Wochenende, nachdem der Nachwuchs die ganze Woche mit der Nunu verbracht hat, von seinem Kind immer noch mit Mama angesprochen wird. Ebenfalls beendet ist das Spiel, falls die Mutter die Ereigniskarte „Arbeitslosigkeit“ zieht, die Nunu ist danach weder bezahlbar, noch notwendig.

Wird das Spiel mit der Erweiterung „Ganztagsschule“ oder auch „flächendeckende Nachmittagsbetreuung“ kombiniert, ergibt sich eine durchaus ansehnliche Geburtenrate von 1,9 Kindern (Deutschland 1,4).

1 Kommentar 20.5.06 16:04, kommentieren